Rezension von Florian Hilleberg - LITERRA

Blutfesseln

Florian Hilleberg - LITERRA

Die Geschichte von Alexandra Romanow beginnt in Russland, im Jahr 1650. Dort verliert sie nicht nur ihr ungeborenes Kind, sondern auch ihren geliebten Ehemann. Alexandra selbst erkrankt ebenfalls lebensgefährlich an der Schwindsucht. Erst ein geheimnisvoller, attraktiver Mann, namens Sergej, verspricht Rettung und macht Alexandra zu einer unsterblichen Vampirin. Als Daywalkerin braucht sie jedoch nicht das Licht des Tages zu fürchten und ist durchaus in der Lage menschliche Nahrung zu sich zu nehmen. Trotz ihrer neuen Existenz schwört sie sich keine Menschen zu töten und sich nur das Nötigste zum Überleben zu nehmen. Doch dann lernt sie den charismatischen Christos kennen, einen Nightwalker. Sie schließen sich zusammen, doch als Christos immer mehr Ansprüche geltend macht und sie mit dem Blutkuss ewig an sich binden will, flüchtet Alexandra nach Amerika. Doch Christos ist nicht bereit die Schmach zu akzeptieren und folgt seiner auserwählten Braut …

Enttäuscht von der Liebe und dem Leben hat sich Alexandra, die sich nun Sascha nennt, im 21. Jahrhundert in die schottischen Highlands zurückgezogen. Hier lernt sie unvermutet Dylan Montgomery kennen und verliebt sich erneut. Doch Sascha, alias Alexandra, muss erkennen, dass sie ihre Vergangenheit nicht abschütteln kann …

Meinung:

Bislang machte Linda Koeberl sich durch das Schreiben fantastischer Kurzgeschichten und Lyrik einen Namen. „Blutfesseln“ ist ihr erster Roman, der als Band 4 in der Reihe ARS AMORIS erschienen ist. Heldin der Geschichte ist eine Vampirin auf der ewigen Suche nach der vollkommenen Liebe und Erfüllung. Der Stil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen. Das Buch lässt sich schnell konsumieren und den Alltag für kurze Zeit zu vergessen. Die Geschichte spricht in erster Linie romantisch veranlagte LeserInnen an, die sich mit der allzu menschlichen Vampirin identifizieren sollen, die in über 350 Jahren Lebenserfahrung scheinbar nichts dazugelernt hat und naiv und oberflächlich durchs Leben schreitet. Wirklich glaubhaft erscheint es auch nicht, dass Alexandra in ihren Tagebüchern, die sie teilweise immerhin Mitte des 17. Jahrhunderts verfasst hat, von Daywalkern spricht und Sex ziemlich offenherzig schildert. Die Erotik wird in dem Roman eher leise, prickelnd dargestellt, mit einigen recht eindeutigen Szenen, ohne dabei ins Pornographische abzugleiten. So vorhersehbar die Story bisweilen auch sein mag, so überraschend gelungen ist das Finale, das offen für eine Fortsetzung bleibt und ein enormes Potenzial birgt. Die Geschichte von Alexandra „Sascha“ Romanow ist ein handwerklich solide geschriebener Romantic-Thriller, der erfolgreich auf der Twilight-Welle mitreitet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Aufmachung:

Das Serienlayout und die Titelgrafik von Crossvalley Smith, der auch 5 erotische Innengrafiken kreierte, bereiten den Leser vortrefflich auf das sinnliche Lesevergnügen vor. Satzspiegel und Papierqualität sind darüber hinaus sehr augenfreundlich.

Fazit:

Romantic-Thriller mit Biss. Herzerweichende Liebesschwüre, gewürzt mit einer Prise Sex. Historisch nicht unbedingt korrekt, aber unterhaltsam.


25. Apr. 2010 - Florian Hilleberg