Florian Hilleberg - LITERRA

Hervorragender Schattenchronik-Roman mit authentischem Hintergrund

Florian Hilleberg - LITERRA

Während Dilara und Calvin im Seelentor verschwunden sind und ihrem ärgsten Gegner, dem Drachen Lee Khan, in sein finstere Reich folgen, fliegt Mick Bondye zurück nach London. Auf der Suche nach seinen Freunden stößt der Voodoo-Vampir auf eine Mordserie in Düsseldorf. Eine ähnliche Serie von Bluttaten gab es bereits Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der selben Stadt. Peter Kürten hat damals als „Vampir von Düsseldorf“ blutige Geschichte geschrieben. Zur selben Zeit weilte auch Dilara Demimondes in der Stadt und ist dem unscheinbaren Mann auch nachweislich einige Male begegnet. Hängen die neuen Morde mit den Taten der Vergangenheit und vielleicht auch mit dem Verschwinden von Dilara und Calvin zusammen?
Um dies herauszufinden reist Mick nach Deutschland. Zur selben Zeit geht der unerbittliche Kampf um die Vorherrschaft der Vampire in London weiter. Während der Vampir Larvae weiterhin seine Macht festigen und die Nachfolge Antediluvians festigen will, wollen die Clanoberhäupter Nox, Sinistro und Phosphorus den Uralten Blutsauger Demiurgos erwecken, der vor einigen Hundert Jahren von Antediluvian gebannt wurde. Nicht ahnend, dass sie ein unermesslich mächtiges Wesen zum Leben erwecken, dass in seiner Bosheit unberechenbar ist ...

Meinung:

Der neunte Band der Schattenchronik schließt nahtlos an die Ereignisse aus Band 8 an und führt sie spannend und rasant weiter zum nächsten Höhepunkt. Als historischer Background dient dieses Mal aber kein Ereignis der chinesischen Geschichte, sondern ein deutscher Serienmörder namens Peter Kürten, der „Vampir von Düsseldorf“ genannt wurde und daher ideal zu einer derartigen Serie passt. Auffallend ist wieder einmal die hervorragende Recherche, welche die Autoren durchgeführt haben, um ihrem Roman eine gewisse Authentizität zu verleihen. Dieser Eindruck wird durch die detaillierten Ortsbeschreibungen verstärkt, denn die Schriftstellerin Alisha Bionda kommt gebürtig aus der Rheinmetropole. Außerdem wurde in diesem Buch dem Leadsänger der „Toten Hosen“ Campino ein literarisches Denkmal gesetzt, der als „Camp“, den beiden Vampiren Dilara und Clavin Unterschlupf gewährt.
Auf den 159 Seiten entrollt sich vor dem Leser eine Handlung, die in ihrem Tempo und ihrer Dramatik innerhalb der Serie beispiellos ist. Man merkt bereits, dass sich die Ereignisse zuspitzen und einem gewaltigen Finale zustreben. Die Autoren Bionda und Kleudgen verfolgen parallel mehrere Handlungsstränge, die am Ende des Buches noch lange nicht alle zusammenführen.
Neben den Abenteuern von Dilara, Calvin und Mick Bondye, wird in diesem Buch auch mehr Gewicht auf die Strukturen der Vampirgesellschaft gelegt und den Intrigen, welche die Oberhäupter gegeneinander spinnen, um selber so viel Macht wie möglich für sich in Anspruch zu nehmen. Sehr düster und unheimlich gestaltet sich vor allem die Suche der Clansoberhäupter nach der Stätte an der Antediluvian einst Demiurgos bannte.
Wie in den anderen acht Bänden vergessen die Autoren auch dieses Mal nicht, detailliert das Seelenleben ihrer Charaktere zu beleuchten. Dabei wird besonders Wert auf einen ersten Bruch zwischen Dilara und Calvin gelegt, der sich durch das Passieren des Seelentores vollzieht und der Einheit des Vampirpaares einen schweren Schlag versetzt.
Die anderen beiden Hauptfiguren der Serie: Guardian und Luna Sangue, die gemeinsam mit Dilara, Calvin und Mick Bondye den Bund der Fünf bilden haben in diesem Band eher kleinere Rollen, was aufgrund des geringen Umfangs des Buches aber auch notwendig ist.
Neben Kürten und Demiurgos wurde ein weiterer sehr interessanter Charakter eingeführt: Der Rattenkönig. Diese sagenumwobene, geheimnisvolle Gestalt haust im Londoner Untergrund und ist den Gerüchten zufolge ein Vampir, der in einer Verwandlung zum Nager stehen geblieben und in dieser halbfertigen Form gefangen ist. Das Konstrukt der Serie wird merklich vielschichtiger und immer komplexer, weshalb am Anfang des Textes dem Leser eine Seite lang die bisherigen Ereignisse ins Gedächtnis gerufen werden. Obwohl erst neun Bände herausgekommen sind ist der Fundus an Charakteren bereits mannigfaltig geworden und man sollte über ein Personenglossar, bzw. ein Lexikon, ernsthaft nachdenken.

Aufmachung:

Die Aufmachung ist Mark Freier einmal mehr perfekt gelungen. Das Titelbild zeigt einen Vampir, eventuell Mick Bondye (?), und im Hintergrund das Antlitz von Peter Kürten, so wie er in unzähligen Büchern abgebildet wurde. Das Cover passt sich von der Farbgebung her sehr harmonisch dem Rahmen der Schattenchronik an. Die Innenillustrationen stammen wieder von Pat Hachfeld, der es hervorragend verstanden hat den inneren Zwist des Vampirs von Düsseldorf künstlerisch darzustellen und auch den untoten Wächtern ein beeindruckendes Aussehen verliehen hat.

Fazit:

Hervorragender Schattenchronik-Roman mit authentischem Hintergrund. Die Autoren haben sehr harmonisch zusammengearbeitet und selbst Kenner dürften Schwierigkeiten haben die einzelnen Texte einem der beiden Schriftsteller zuzuordnen. Die Serie wird immer besser und es ist schön zu lesen, wie Bionda und Kleudgen es immer wieder schaffen ihr hohes Niveau zu halten und den Leser anspruchsvoll und kurzweilig zu unterhalten.