Marlies Eifert - Buchrezicenter

Regenbogen-Welt

Marlies Eifert - Buchrezicenter

Bei der 'Erschaffung' der Fantasy- Welt stand der Mythos der Indianer Pate. Über der verwaisten Erde wölben sich die fünf Ebenen der sog. Regenbogenwelt.

Eine Gruppe von (Fantasy-)Insekten macht sich unter Leitung Sahas, der Gottesanbeterin aus der ersten der fünf Regenbogenwelten auf, die restlichen Ebenen der Regenbogenwelt zu erkunden.

Nach und nach lernen wir die phantastischen Welt kennen. Landschaften, Dörfer, Ruinenstädte, deren Formationen dem Leser gleichzeitig bekannt wie fremd vorkommen, am ehesten vergleichbar mit Bildern surrealistischer Maler. Ein Feuerwerk der Phantasie.

Mit der wissbegierigen Gottesanbeterin Saha zusammen erfährt der Leser im Lauf der Zeit,was die Welt im innersten zusammen hält. Er hört von guten(friedvollen) und bösen(zerstörerischen) Kräften. vom uralten Kampf des Guten gegen das Böse. Er erfährt, wie zerstörerische Kräfte die Menschen dazu gebracht haben, ihren Lebensraum zu vernichten und schließlich sich selbst zu Grunde zu richten. Der große(gute) Geist rettet Relikte aus dieser untergegangenen Welt in die "Regenbogenwelt", und er wird schließlich für eine Neubesiedelung der Erde unter anderem Vorzeichen sorgen. Dabei wird die Gruppe um Saha der Gottesanbeterin, und Barb der Schmettelingsfrau eine entscheidende Rolle spielen.

Der Autorin gelingt es, aus bekannten Vorstellungen bestehender Kulturen eine neue Fantasy Welt zusammenzufügen: Folie für den Ablauf der Geschehnisse. In dieser Welt spielen die ewigen Jagdgründe und andere Totenwelten ebenso eine Rolle wie schwarze Löcher. Götter, Geistwesen, Schamane agieren gegen unheilvolle Ungeheuer in Gestalt von Drachen u.a. Kaum etwas in dieser Welt macht den Eindruck von Festigkeit, Beständigkeit. Der Wandel, die Verwandlung gehört fundamental zu ihrem Wesen. Metamorphosen sind uns aus der überlieferten Mythengeschichte bekannt. Erinnern wir uns: Die Griechin Daphne verwandelt sich in einen Baum. In der "Regenbogenwelt" verwandeln sich Saha, ihr Freund und Barb aus Insekten in Menschen. Das Motiv durchzieht die gesamte Handlung. Hände wachsen, Köpfte verändern sich. Aber entscheidend ist die innere Wandlung, die vor allem eine Steigerung der Sensibilität, ein Mehr an Gefühl zur Folge hat.

Die Reise der Gruppe bekommt im Lauf der Handlung zunehmend den Charakter einer Prüfung, deren Ende allerdings aus der Sicht der Handelnden trotz hilfreicher Visionen nicht vollständig erfassbar ist. So kann man sagen: Aus denen, die erkunden wollten, werden solche, die geprüft werden. Während der Reise sind die Freunde einer phantastischen Vielfalt von Gefahren ausgesetzt. Stellenweise fühlt man sich an die Zauberflötenhandlung erinnert oder auch an Dantes Purgatorium.

Aber: Nicht einzelne oder Paare unterziehen sich der Prüfung. Vielmehr handelt es sich um eine Gruppe, deren Mitglieder auf die Herausforderungen ganz unterschiedlich reagieren. Die ernsthafte "wissende" Eule steht neben dem heiteren Eichhörnchen und dem ungehobelten Stachelschwein. In deutlichem Gegensatz zur überwiegenden Ernsthaftigkeit der Handlung steht die Gruppensprache, gekennzeichnet durch einen eher flapsigen, unpathetischen Ton.

Wer bereit ist, sich auf diese Fantasy - Welt einzulassen, wer den beiden sympathischen Wesem Saha und Barb mit ihren Freunden auf blumigen Wiesen, auf verdörrten Ebenen, durch Totenstädte und Ruinenfelder folgt, wird belohnt werden. Da ist Spannung, da ist ständige Herausforderung durch drohende Gefahren, da ist trotz allem Lebensfreude und Freude am Sehen. Und wenn man genau hinhört, erfährt man mehr darüber, was die Welt letztendlich im Innersten zusammen hält und welche Möglichkeiten noch bestehen, sie zu verändern, zu verbessern.