Dr. Franz Rottensteiner, Quarber Merkur

DARK LADIES II

Dr. Franz Rottensteiner, Quarber Merkur

Die Illustrationen der Dark Ladies I und II von Gaby Hylla, meist spärlich bekleidete kalte Lederdamen sind herrlich lasziv und morbide, und die oft schwülen Geschichten, die den Leser auf die andere Seite der Wirklichkeit zu führen suchen, die nur durch den Schleier des Vergessens getrennt ist (Linda Budinger, „Die Schleier des Vergessens“) sind bemüht, es ihnen gleichzutun, ohne immer diese stilistische Reinheit zu treffen.
Oft sind die Erzählungen reichlich schwül, und die diversen Damen, bei weitem nicht nur Vampirinnen und andere Geschöpfe der Nacht, bereiten den Männern, auch sie meist beileibe keine Unschuldsengel, häufig das böse Geschick, das sie sich redlich verdient haben; höchstens, dass es ihnen gestattet wird, sich fortzupflanzen. Wer möchte widersprechen, dass dem ungustiösen Helden von Martin Kays „Der Kuss Walhallas“ ein gerechtes Schicksal trifft, so unerwartet es für ihn auch ist?
Die Liebes-Vereinigung, die dem Inuit aus Eva Markerts „Eiskalt“ zuteil wird, erfolgt aber doch über Gebühr. Selten, dass es auch den dunklen Damen schlimm ergeht, dann verlieren sie sich etwa in den insektenverseuchten Winkeln ihres eigenen Unterbewusstseins, wie in Barbara Bücheners „Der Schrecken der Stille“. Aber manche leiden auch an ihrer eigenen Natur und sehnen sich nach Erlösung (Tanya Carpenter, „Desmodia“).
Mythische Anspielungen (Orpheus und Eurydike in der schönen neuen Pop-Welt, Adam und Eva) sind häufig, und Uschi Zietsch liefert eine herrlich „böse“ Fantasy-Version von „Dornröschen“. Barbara Büchners Erzählung „Das Geheimnis“ ist von düsterer Erotik.
Stilechte gotische Spukschlösser wechseln ab mit modernen Elendsquartieren, klassische griechische Landschaften mit sadistisch geprägten reinen Phantasieländern, die auch virtuelle Welten im Computerzeitalter sein können.
Eine klassische Gespenstergeschichte wie „Der Fluch der Hexengräfin“ von Corinna Bomann steht neben einer postmodernen Comics-Superhelden-Geschichte (Christoph Marzi, „Epiphany“) und extravaganter Phantasmagorie wie Arthur Gordon Wolfs „Das Fest der Grauen Mondin“.

Unter den Autoren des Bandes sind einige sehr bekannte, wie Harald Braem, der zu Bestsellerehren gelangte Christoph Marzi oder Desirée und Frank Hoese, die durch einige bemerkenswerte SF-Kurzgeschichten auf sich aufmerksam gemacht haben, aber auch viele mir ganz unbekannte; es ist gut, dass auch sie eine Chance erhalten, und viele schlagen sich kaum weniger schlecht als die Fantasy-Prominenz.

Ein opulenter und insgesamt recht vielseitiger Fantasy-Schmaus.