GD 3- Tetelestai! / Elmar Huber - www.phantastik-couch.de

alt„Ein konsequentes und mutiges Experiment“, Elmar Huber - www.phantastik-couch.de

In diesem Roman, der zugleich ein poetisches Bühnenstück ist, senkt sich ein letztes Mal die Dunkelheit über den Anti-Helden und löst dabei all die unüberschaubaren Machenschaften auf, die sich um ihn entwickelten. Der Leser bekommt zum ersten Mal einen Einblick in das Leben des Mannes, aus dem der Mörder Kriecher hervorgegangen ist, und muss dabei stets zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden.

„Ein konsequentes und mutiges Experiment“

„Es dauerte seine Zeit, bis die ersten Zuschauer im Zeigen des Leichnams einen wirklichen Hinweis darauf erkannten, dass es sich lohne, in die Höhe des Saales zu spähen. Und als der Vorhang gefallen und die von der Göttin gewobene Illusion verblasst war, stierten sie noch immer in das Dämmerlicht des Dachstuhl, ungewiss darüber, ob es nun etwas zu entdecken galt.“
(3. Aufzug, 1. Auftritt)

Dritter und letzter Teil der „Kriecher“-Trilogie

Unmittelbar nach den Ereignissen in „Adulator“ weilt Fürst Adulator noch in Gribathan. Ein Plakat erweckt seine Aufmerksamkeit. Die Darstellung eines jungen Paares, getrennt durch den Vater der Frau, fesselt ihn und rührt an seiner Erinnerung. Er erkennt sich selbst in dieser Darstellung. Er ist der junge Mann, Taranis Danann, in einem lange vergangenen Leben. Die junge Frau ist Menona, die er einst – vor ihrem Verrat – geliebt und dann getötet hatte. Der Mann ist Menonas Vater, der ihm einst den Auftrag gab, Menona zu schützen. Die dargestellte Szene preist ein Theaterstück an, aufgeführt „allabendlich im Ballsaal des Hotels Auensang“.

Natürlich ist die Verarbeitung von Adulators/Kriechers Schicksal in einem Theaterstück kein Zufall. Das Schauspiel dient einzig dem Zweck, Adulator an den nämlichen Aufführungsort zu locken und ihn endlich seinem Schicksal zuzuführen. Dazu haben sich Adulators Feinde in das Stück eingekauft und im Gegenzug dem Autoren die Vorlage für die Handlung geliefert.

Schwelgt Marc-Alastor E.-E. zum Finale von „Adulator“ noch in Schlachtengetümmel, bringt uns „Tetelestai!“ wieder eine konzentrierte Geschichte, die zu weiten Teilen am gleichen Ort, dem Hotel Auensang als Aufführungsort des ominös bekannten Stückes und sogar auf der Theaterbühne spielt.

Wieder gibt sich der Autor nicht mit einer plumpen Erzählung zufrieden. Er passt die Form seiner Darbietung der Handlung an und präsentiert einige Teile von „Tetelestai!“ in Versform; die Einteilung des Romans erfolgt in Aufzüge und Auftritte. Zu einem nicht geringen Anteil wird auch die Handlung des Theaterstückes wiedergegeben – ein Spiegel der Ereignisse, als Kriecher noch der Mensch Taranis Danann war und unbelastet von der Schuld, seine Geliebte getötet zu haben. „Tetelestai!“ erweist sich sowohl als Fortsetzung des Kriecher-Zyklus wie auch als Vorgeschichte. Ein konsequentes und mutiges Experiment.

Konsequent verfolgt Marc-Alastor E.-E. auch die Entwicklung seines Antihelden Kriecher/Adulator weiter. Nachdem sich der vermeintlich elfische Druide Frater in „Adulator“ als heller Teil von Adulators Seele herausgestellt hat, wird „Tetelestai!“ aus der Ich-Perspektive des gereiften Frater erzählt. Der ist in Adulators Körper „gefangen“, aber sehr wohl zu eigenen Empfindungen und zu eigenen Urteilen fähig. Dies macht Kriecher/Adulator mehr und mehr zu einem fragwürdigen Charakter, der sich um Moral nicht schert und nur seine eigenen Ziele verfolgt. Noch deutlicher wird das durch die rückwirkende Einführung einer weiteren Facette Kriechers/Adulators. Der des jungen, idealistischen und mutigen Soldaten Taranis Danann, der er vor seiner Verwandlung in Kriecher war.

Der Autor spielt mit Form und Inhalt

Marc-Alastor E.-E. treibt seine Experimentierfreude hier auf die Spitze, indem er mit Form und Inhalt spielt. Nach einer Kurzgeschichtensammlung, die entscheidende Stationen auf Kriechers Weg beschreibt („Kriecher“), über einen Roman, der innerhalb des Geisterdrache-Zyklus wohl der Mainstream-Fantasy am Nächsten kommt („Adulator“), hin zu einem theatralischen Abschluss, der trotz aller darstellerischen Übertreibung fast minimalistisch wirkt.

Veredelt wird „Tetelestai!“ durch einige absolut gelungene schwarz/weiß-Innenillustrationen von Aran, allen voran eine Abbildung des Werbeplakates, das die Handlung erst ins Rollen bringt. Die Umschlaggestaltung wurde von Marc-Alastor E.-E. selbst übernommen.

Der Roman erschien 2005 exklusiv im Blitz-Verlag und war nur über den Verlag zu beziehen. Am Ende findet sich bereits eine Werbung für „Die Chroniken – Widerparte und Gefolge“ (damals zum 20jährigen Jubiläum des Geisterdrache-Zyklus). Tatsächlich sollten „Die Chroniken – Widerparte und Gefolge“ aber erst im November 2009 als Doppelband der Reihe „Ars Litterae“ im Sieben-Verlag erscheinen (zum 25jährigen Jubiläum des Geisterdrache-Zyklus).