Klassische Horrorfiguren wie Vampire, Werwölfe und Geister werden in PAINSTATION kombiniert mit Varianten des modernen (Psycho-)Horrors

Elmar Huber - LITERRA

„Das ist kein beschissener Country-Club.“
„Schreiend riss er die Arme ans Gesicht, bereit sich kämpfend von den Gestalten um ihn zu befreien. Aber so unverhofft, wie sie aufgetaucht waren, verschwanden sie wieder. Hinter ihm wurden die Stahltüren zugeworfen.“
(Ronald Malfi - Painstation)

Oliver Kern – Der Fremdbewohner
Edmund ist sich sicher, dass sich tagsüber, während er bei der Arbeit ist, jemand in seiner Wohnung aufhält. Die abgestellte Heizung und die geschlossenen Vorhänge sprechen eine deutliche Sprache. So beschließt Edmund, dem Fremdbewohner eine Falle zu stellen.

Thomas Plischke – DeathView
Total albern, diese neue App „DeathView“, aber billig und bestimmt für den einen oder anderen Spaß in der Clique gut. „Fotografiere deine Freunde und du siehst, wie sie sterben.“ Die automatische Bildbearbeitung, die die Fotos der Menschen in Unfallopfer verwandelt oder auf dem Sterbebett zeigt, ist erstaunlich schnell. Und das „Todesbild“ dieses überschätzten Popsternchen, das Tim aus einer Zeitschrift abfotografiert hat, gleicht tatsächlich ihrem Aussehen als Leiche, wie er noch am selben Abend feststellt.

Harald A. Weisen – Nachtsendung
Alexander ist alleine in der Radiostation im 88. Stock des Goldschmied-Turms. Etwas bedeutendes ist passiert in diesen Tagen des 25. Jahrhunderts. Die Irren hämmern gegen die Studiotür und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie zu Alexander durchdringen.

Ronald Malfi – Painstation
Die Fixierung auf seine Kollegin Casey Madigan bringt Keanan dazu, ihr eines abends bis in den Club „Facade“ zu folgen. Dort ist Casey plötzlich verschwunden und Keanan sieht sich nur einer Tür gegenüber, hinter der eine Treppe hinab in die Schwärze führt, hinab in die Painstation.

Marc-Alastor E.-E. – Der Dorn im Auge
Nach dem Tod des Großvaters zu einem großzügigen Erbe gekommen, beschließt der Erzähler seine Arbeit aufzugeben und das Leben in einem angemessenen Maße zu genießen. In seiner neuen Stadtwohnung vernimmt er jedoch des Nachts klopfende Geräusche, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen.

Tanya Carpenter - Bruderblut
Als der Comte Javier Duval mit seiner Verlobten Claire und seinem Kutscher vor dem Unwetter Zuflucht in der nahen Burg sucht, ahnt er noch nicht, dass sich hier sein Leben für immer verändern wird. Der Schlossherr Romain Nevour scheint um Javiers geheimste Wünsche zu wissen.

Daniel G. Keohane - Amelia
Geduldig wartet Sarah auf der Veranda ihres Hauses - nahe der Auffahrtsrampe zur Interstate - auf ihre Freundin Amelia. Sie träumt davon, in eines der vorbeigleitenden Autos zu steigen und damit in ein besserer Leben zu entkommen.

Florian Hilleberg – Beute
Als Amelie und Pierre auf dem Heimweg von ihrer Freundin von einem riesigen Tier angefallen werden, das Pierre sofort tötet, ahnt Amelie noch nicht, dass dies erst der Auftakt zu einer Nacht des Schmerzes und des Wahnsinns ist.

Brian Keene – Mr Chickbaum
Viele Kinder haben doch einen imaginären Freud, auch wenn Ellie vielleicht schon etwas zu alt dafür ist. Aufgetaucht ist dieser Mr. Chickbaum in Ellies Fantasie, als sie vor drei Jahren in das neue Haus gezogen sind. ….

Karl-Georg Müller – „Ich schneide sie in Stücke!“
Gerade noch trifft Nathaniel Hawthorne seine ehemalige Geliebte Caitlin an Bord des Luftschiffes „Queen Anne“ wieder, als er kurz darauf unversehens Zeuge grausamer Prostituiertenmorde im Londoner Viertel Whitechapel wird. Und das nächste Opfer des Mörders soll Caitlin sein.

„Im Leben jedes Fanatikers kommt eine Zeit, in der er – unweigerlich – mit der Schwere seiner eigenen Psychosen konfrontiert wird.“
(Ronald Malfi - Painstation)

Band 2 der von Alisha Bionda herausgegebenen Horror-Reihe SCREAM vereint einige Kurzgeschichten von Autoren, die demnächst mit Romanen in der Reihe vertreten sein werden (Karl-Georg Müller, Harald A. Weisen, Florian Hilleberg, Oliver Kern). „Ich schneide sie in Stücke!“ von Karl-Georg Müller bildet sogar den Prolog zum nächsten „Scream“-Band STÄHLERNE SEELEN, der im Bereich den Steampunk angesiedelt ist.
Ergänzt werden die deutschen Beiträge von den Übersetzungen einiger internationaler Autoren, für die sich in erster Linie Co-Herausgeber Michael Krug, ansonsten verantwortlich für den Überreuter-Imprint „Otherworld“, federfühend zeigt.

Klassische Horrorfiguren wie Vampire, Werwölfe und Geister werden in PAINSTATION kombiniert mit Varianten des modernen (Psycho-)Horrors. Oliver Kerns Nosferatu sieht sich vertrieben von neuzeitlichen Baumaschinen, Thomas Plischke ersetzt einen klassischen Fluch durch eine Handy-App, Tanya Carpenter stürzt ihre Vampire in ein blutiges Dilemma der gleichgeschlechtlichen Begierde und Florian Hillebergs Werwölfe betreiben ihren eigenen Folterkeller. Daniel G. Keohanes leise Geistergeschichte „Amelia“ wird in ein trostlos-urbanes Ambiente übertragen und auch Brian Keenes „Mr. Chickbaum“ ist so etwas wie die Vorstadt-Variante einer Arthur Machen-Geschichte. Sehr abstrakt ausgefallen sind Harald Weisens „Nachtsendung“ und der titelgebende Beitrag von Ronald Malfi, wohingegen Marc-Alastor E.-E.s „Der Dorn im Auge“ (eine Variante von E. A. Poes „Das verräterische Herz“) ob der wunderbar antiquierten Erzählweise, aus der Zeit der Dekadenzdichtung zu stammen scheint. Einmal mehr beweist dieser Ausnahmeautor damit sein Talent, mit Worten und Stimmungen zu spielen.

Mit diesem zweiten Band der „Scream“-Reihe ging auch ein Wechsel von Sieben-Verlag zu Vodoo-Press einher, der allerdings so gut wie keine Änderungen mit sich brachte. Das Format bleibt bestehen, Mark Freiers wohlig-düsteres Reihenlayout wird fortgeführt und der Umschlag ist nach wie vor in Glanzoptik gefertigt. Lediglich das Verlagslogo wurde ausgetauscht. Jeder Geschichte ist zusätzlich eine s/w-Grafik des Münchner Künstlers Mark Freier vorangestellt, die der Einstimmung dient. Kurzbiografien der Autoren, der Herausgeber und des Grafikers runden das Bild ab.

Die auffällige Unterschiedlichkeit der Beiträge und der Verzicht auf eine thematische Klammer machen PAINSTATION zu einer sehr abwechslungsreichen Mischung, in der jeder seine eigenen Favoriten finden wird. Als Vorausgeschmack auf die kommenden Beiträge der SCREAM-Reihe jedenfalls erfüllt PAINSTATION seine Aufgabe mit Bravour.