Mystische weibliche Wesen

Tanja Asmus - www.rezensenten.de

Mit Dark Ladies ist der Autorin und Herausgeberin Alisha Bionda wieder ein großer Coup im Phantastik-Genre gelungen.

Alisha Bionda hat zum Teil recht namenhafte Autoren für dieses neue zweiteilige Projekt um sich geschart. Mit Christoph Hardebusch, Boris Koch & Barbara Büchner u.a. hat sie es geschafft große Autor/innen für diese Anthologie zu gewinnen. Doch auch die weniger bekannten Autoren/innen stehen den großen Kollegen in nichts nach.

Nach einem Vorwort von der Herausgeberin zu der Idee „Dark Ladies“ wird der Leser in 13 abwechslungsreichen Geschichten in eine mystische Welt hineingezogen, die an menschlicher Phantasie kaum noch zu überbieten ist. Wie der Buchtitel schon verrät, handelt es sich hierbei ausnahmslos um Kurzgeschichten von weiblichen mystischen Wesen, die den Leser in ihre Welt begleiten.
Mal mystisch spannend angehaucht, das andere Mal blutrünstig und abenteuerlich, sollte sich bei den Geschichten für jeden Leser etwas finden.

Untermalt wird das Ganze mit wirklich ausgezeichneten 3D Grafiken, die den Bezug zu den Texten schufen. Trotzdem die Grafiken schwarz/weiß gedruckt sind, zeigen sie die Liebe zum Detail. (Die Grafiken können auf der Internetseite www.gabyhylla-3d.de in Farbe bewundert werden)

Die Autoren haben sich von den Grafiken der Künstlerin Gaby Hylla inspirieren lassen und die dazu passenden Ideen in Geschichten niedergeschrieben. So hält der Leser nicht nur eine wirklich gelungene Anthologie in den Händen, sondern auch einen schönen grafischen Sammlerband für Liebhaber der Phantastik. Die Grafiken dürften vor allem Poser- & Bryce 3D-Fans gefallen, da alle am PC erstellt worden sind.

Qualitätsmäßig ist der Band aus dem Fabylon Verlag sehr hochwertig hergestellt worden. Sehr gute Papierqualität auf 236 Seiten, ein angenehmes Schriftbild, das auch für Leser mit leichter Sehschwäche noch sehr gut lesbar ist, zeigt, dass man dies alles zusammen auch zu einem günstigen Preis anbieten kann. Mit 12 € kann man das Preis-Leistungsverhältnis wirklich nicht mehr toppen.

Aber kommen wir nun zu einigen Geschichten im Buch:
Martin Clauß eröffnet mit seiner Kurzgeschichte „Luzifers Schöpfung“ die Anthologie und dies sehr eindrucksvoll. Er zeigt die Schöpfung der Welt aus dem Blickwinkel Luzifers, der für mich überraschenderweise weiblich war. Die Idee unsere Weltgeschichte rückwärts laufen zu lassen ist grandios gelungen, und ich kann mich auf diese neue Weltbildidee als Christin voll einlassen. Sie faszinierte mich völlig und zeigt, dass das Böse nicht immer gleich böse ist und das Gute gut. Besonders gut hat mir hier auch der Wortwitz gefallen, und das ein Märchenname in die Geschichte eingeflochten wurde, der mir zum Schluss ein AHA-Erlebnis vermittelte. Zugegebenerweise war ich erst irritiert, doch als der Autor mir die Lösung dazu darlegte, musste ich doch schmunzeln.
Bislang kannte ich Martin Clauß noch nicht, aber mit dieser Geschichte hat er mich sehr neugierig gemacht, nach weiteren Werken von ihm Ausschau zu halten.

Weiter geht es mit Sabine Ludwigs „Machlath“. Hier geht es um eine verlassene Frau, die nach Rache sinnt. Doch jedesmal gibt sie auch ein Stück von sich selbst, um die Rache von Machlath vollstrecken zu lassen. Aber so ist das eben mit dämonischen Familientraditionen…
Diese Geschichte ist sehr kurz, dennoch hat sie mich sehr angesprochen und ins Grübeln gebracht. Gibt man bei einer Trennung nicht immer einen Teil von sich, wenn auch nicht gerade wie in der Geschichte? Bleibt nicht immer ein Teil von einem selbst bei dem getrennten Partner? Bei dieser Geschichte habe mich mit der Grafik sehr beschäftigt, und muss sagen, dass die Autorin eine sehr gute Beobachtungsgabe hat, um diese Geschichte zu spinnen.

In Eva Markerts Geschichte "Eiskalt", kommt der Spruch „Ich habe dich zum Fressen gerne“ eine ganz andere Bedeutung.

Jede Geschichte der 13 Werke hat ihre eigene Faszination und so hatte ich stundenlang gute bis sehr gute Unterhaltung, und habe mich gerne in andere Reiche entführen lassen. Ich freue mich, nun im Anschluss gleich den zweiten Band zu lesen und hoffe, dass die Geschichten mich auch alle wieder so spannend & mystisch unterhalten werden.

Zum Abschluss von "Dark Ladies I" gibt es für alle interessierten Leser noch die Vitae der Autoren, die im ersten Band mitgewirkt haben.