GD 1 - Kriecher / Florian Hilleberg - Multi Mania, LITERRA

altKriecher, Florian Hilleberg - Multi Mania, LITERRA

Weil seine Geliebte Menona ihn betrügt und er von seinem Konkurrenten auch noch verhöhnt wird, ermordet ein Soldat seine Frau auf bestialische Weise. Mit gebrochener Seele wird er zu einem leichten Opfer für die finstere Göttin Medoreigtulb, welche ihn zu ihrem Diener macht. Der Soldat wird zu einem Pechstrenger, einer schattenhaften, lichtlosen Kreatur namens Kriecher. Von nun an soll er im Dienste seiner Herrin morden. Doch getrieben von seinen eigenen Dämonen und immer das Bild seiner dahin gemordeten Geliebten vor Augen versagt Kriecher immer öfter und wird von seiner Göttin verstoßen. Auf der Suche nach Frieden stattet er seiner Mutter einen verhängnisvollen Besuch ab und gerät schließlich im Sumpf in die Fänge von Zyklopen und ihrer Herrin, einer mächtigen Hexe, die sich für eine Schlacht wider Medoreigtulb rüstet, welche mit ihrem Heer dieses Gebiet durchqueren will. Kriecher erscheint der Hexe als geeignetes Werkzeug um Medoreigtulb zu besiegen...

Marc Alastors Bücher aus der Welt des Geisterdrachen M'Zaarox fußen auf dem Spectre-Dragon-Zyklus, welcher im Internet veröffentlicht wurde, und der wiederum als Grundlage einen in Latein verfassten Versband hat, den "Liber Incendium Veritas". Um das vorliegende Buch allerdings vollständig genießen zu können, ist es nicht unbedingt notwendig Vorwissen mitzubringen. Was der Leser für die Lektüre von "Kriecher" braucht wird im Vorwort erklärt, oder eröffnet sich ihm im Laufe der Handlung.
Dabei schafft es der Autor mit seinem altertümlichen Vokabular eine Dark-Fantasy-Storysammlung abzuliefern, die ihresgleichen sucht und fern bleibt von dem üblichen Mainstream-Geschreibsel dieses Genres. Alle Novellen bilden Abschnitte aus dem Leben von Kriecher als Pechstrenger und münden in einem furiosen Finale.
Kriecher ist alles andere als ein strahlender Held oder ein mächtiger Zauberer. Er ist ein Antiheld, Protagonist und Antagonist in einer Person. Getrieben von Emotionen, die ihm letztendlich auch das wichtigste nahmen, was er in seinem Leben hatte, nämlich seine große Liebe Menona. Dass er nach seiner verdammungswürdigen Tat sich in die Arme der bösen Göttin Medoreigtulb flüchtet ist dabei nicht vollends unverständlich, gewährt sie ihm doch als Einzige eine Zuflucht und ein wenig Zuneigung. Dass sie ihn darüber hinaus zu einem ihrer Diener macht, zu einem Pechstrenger, versinnbildlicht im Prinzip nur den Zustand seiner zerbrochenen Seele.
Marc Alastor beginnt seinen Zyklus um Kriecher mit einer Sammlung düster-melancholischer Novellen, welche echten Horror beinhalten aber auch dem eingefleischten Fantasy-Fan eine Schlacht liefern, wie er sie aus "Herr der Ringe" kennt. Der Beginn des Daseins als Kriecher konfrontiert den Leser mit einer derben Erotik, welche fern bleibt von jeglicher Liebe und nur die Zusammengehörigkeit einer verlorenen Seele zu Medoreigtulb dokumentiert. Die Göttin gibt Kriecher durch ihre Milch den einzigen noch verbliebenen Lebenssinn, während sie ihm im Gegenzug den Samen raubt, den letzten Funken menschlichen Lebens, wodurch sie auch einem finsteren Sukkubus gleicht. .
Die Charakterisierung ist dem Schriftsteller in jeder Hinsicht ausgezeichnet gelungen, die Figuren wirken lebensecht und sind keine Stereotypen. Geschickt umgeht der Autor das Schwarz-Weiß-Schema; es gibt keine "Guten" und keine "Bösen", allenfalls Opfer und Mörder.
Die einzelnen Storys werden durch Zwischenspiele zu einer Geschichte verwoben, welche über den Verrat Menonas berichtet und die Abrechnung Kriechers mit seinem Konkurrenten beinhaltet.
Das Buch lässt sich trotz seines anspruchvollen Satzbaus flüssig lesen und offenbart eine extrem spannende und düstere Geschichte, welche den Leser dazu anhält erwartungsfroh den zweiten Band zu lesen.

Die Aufmachung ist richtig schön gelungen. Obwohl das Titelbild am Computer animiert worden zu sein scheint, vermittelt es einen guten Eindruck von der Trostlosigkeit und Leere, die in Kriecher vorherrscht. Die schwarze Gestalt geht dabei fast in der Weite der Landschaft verloren. Der falsch herum gedruckte Titel passt ebenfalls perfekt zum Inhalt, ob gewollt oder nicht. Ebenfalls erwähnenswert sind die Innenillustrationen, die nicht nur hervorragend zum Inhalt passen sondern auch die Emotionen wieder spiegeln, die den Leser unwillkürlich erfassen.

Fazit:

Sehr düstere und melancholische Dark-Fantasy in Vollendung. Besonders der Schreibstil von Alastor vermag binnen weniger Seiten zu fesseln.