GD 2 - Adulator / Elmar Huber - www.phantastik-couch.de

altKonsequente Weiterentwicklung in veränderter Form, Elmar Huber - www.phantastik-couch.de

„Die Macht ihrer Aura erfüllte den Raum wie ein unsichtbares Gas, welches schnell und unmerklich tötete. Das Verlangen, die Begierde ergriff selbst die Tiere und die Eunuchen des Kaisers. Niemand des Kaiserstabes hätte noch vor Augenblicken daran gedacht, vor dem Götzen zu knien. Itzt aber erhoben sich alle im Saal von ihren Liegestätten und Sänften, nur um sich vor der Göttin niederzuknien.“
(Von der Wichtigkeit, einen Toten zu töten)
Entsandt von der Elfenkönigin befindet sich Frater, ein elfischer Druide, auf dem gefahrvollen Weg zur Stadt Innocenz, der einstigen Zuflucht für alle zu Unrecht verfolgten. Voller Überzeugung, dass Fürst Adulator nicht, wie allgemein überliefert, für Innocenz Niedergang verantwortlich ist, möchte er diesen um seinen erneuten Beistand gegen die Truppen der Urgöttin Medoreigtulb bitten.

Guynlane Keridwan, die Königin der Elfen, die vor Medoreigtulb nach Gribathan geflohen ist, wird beinahe Opfer eines Mordanschlags. Clacharc Quai, Soldat im Dienste des Kaisers und Enkel von Apalind Quai, wird für dieses Attentat verantwortlich gemacht. Der wahre Attentäter aber ist Colubridas, ein ehemaliger Söldner, der – wie Kriecher – von Medoreigtulb zu einem Pechstrenger gemacht wurde. Colubridas möchte sich damit an Apalind Quais Nachkommen rächen, der einstmals für seine Verhaftung verantwortlich war (erzählt in den Kriecher-Zwischenpielen).

Medoreigtulbs Truppen nähern sich unterdessen Gribathan. Die Göttin stattet dem Kaiser einen Besuch ab, der nicht, wie angenommen, den Verhandlungen dient. Die Schlacht um Gribathan entbrennt und die Wege aller Beteiligten kreuzen sich wieder.

Ein Wiedersehen alter Bekannter
„Adulator“ spielt rund 70 Jahre nach dem Ende von „Und aus Engeln baut Straßen“ aus dem Vorgängerband „Kriecher“. In der Hauptstadt Gribathan treffen wir alte Bekannte wieder. Zwischen der Elfenkönigin und Adulator besteht nach wie vor eine undefinierbare Beziehung. Ebenso zwischen ihm und der Göttin Medoreigtulb.

Der Fokus liegt in „Adulator“ nicht länger auf die Entwicklung des Fürsten, sondern beschreibt gewissermaßen das Wiedersehen alter Bekannter, deren Wege sich am Ende in Gribathan treffen. Überhaupt ist Adulator hier nicht länger die Hauptperson. Erst in der zweiten Hälfte des Romans ist er an den Ereignissen beteiligt. Marc-Alastor E.-E. macht hier eine ganze Gruppe Personen zu einem gleichwertigen Ensemble.

Der Autor greift die Ereignisse aus „Kriecher“ auf und führt diese konsequent fort. Hier ist zu spüren, dass „Adulator“ kein aus dem Erfolg des Erstlings geborener Nachschub ist, sondern dass die Idee zu dieser Fortsetzung bereits zuvor im Kopf des Autors vorhanden war. Alles hat seinen Platz und nichts wirkt erzwungen. Um „Adulator“ vollständig zu verstehen, sollte man also den Vorgängerband gelesen haben.
Einen Wechsel gibt es in der Form. „Adulator“ ist nicht mehr puzzleartig aus Kurzgeschichten aufgebaut, sondern verfügt über eine fortlaufende Handlung. Zwar springt Marc-Alastor E.-E. zwischen einzelnen Schauplätzen und Personen hin und her, doch die Gesamthandlung entwickelt sich linear. Zusätzlich wirkt „Adulator“ durch die Einführung des Ich-Erzählers Frater gefälliger und zugänglicher als es der düstere „Kriecher“ war. Doch gerade mit Frater, der erhebliches Identifikationspotential bietet, bereitet uns Marc-Alastor E.-E. am Ende eine gelungene Überraschung. Aber selbst diese gerät nicht zum Selbstzweck, sondern wird wiederum in „Tetelestai!“, dem dritten Kriecher-Band, konsequent weiter genutzt.

Marc-Alastor E.-E. bleibt seinem einzigartigen düster-blumigen Stil treu. Wohl keinen Satz aus „Adulator“ wird man in dieser gekünstelten Form im richtigen Leben antreffen. Doch diese theatralische Prosa passt perfekt zu den Schöpfungen des Autors. Er schafft es damit, assoziative, wuchtige Bilder in den Kopf des Lesers zu pflanzen. Als Beispiel sei hier Medoreigtulbs Einzug in den kaiserlichen Hof genannt, der begleitet wird von einem Gefolge glänzender Kuriositäten und der einen unwiderstehlichen Dunst der Geilheit mit sich bringt, dem alle Anwesenden anheim fallen.

Die Personen sind durchgehend differnziert und mit viel Tiefe gezeichnet. Doch wie schon in „Kriecher“ herrscht auch in „Adulator“ ständiges Zwielicht. Nahezu alle wichtigen Personen sind weder gut noch böse.

Bei dem Umschlagbild handelt es sich um eine Computergrafik, die sehr stimmungsvoll geraten ist und ein ganz eigenes „Feeling“ vermittelt. Im Innenteil sind einige gelungene Bleistiftzeichnungen von Aran enthalten, die Szenen aus dem Roman zeigen.